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09.12.2016
Ein Konzept für alle Fälle

Nur jede zweite Schule in Deutschland verfügt der aktuellen Studie „Schule digital – Der Länderindikator 2016“ zufolge über ein Konzept für den Einsatz von Computern im Unterricht. Dabei gilt dies als wesentlicher Schlüssel zum sinnvollen Einsatz der neuen Technologien. Schulen, die diese Lücke schließen wollen, sollten sich das Medienkonzept der Gesamtschule Barmen genauer ansehen. Schon ein Blick auf die Website des Deutschen Schulpreisträgers 2015 macht deutlich, wie umfassend die Wuppertaler das Thema verstehen und angehen.

Im Mittelpunkt des Barmer Medienkonzeptes steht der Erziehungs­auftrag. „Medienerziehung“, so heißt es gleich im ersten Satz des Konzeptes, „findet in unserer Schule überall dort statt, wo Unterrichtsgestaltung und Schulklima soziale und fachliche Kompetenz fördern, gesellschaftliche Zusammenhänge erkennbar werden lassen und zugleich Beziehungen stiften.“ Die Schülerinnen und Schüler sollen die modernen Medien nicht nur kennen, sondern sie beherrschen, also mit der notwendigen Distanz und Reflexion nutzen. Dazu gehört es auch, ethische Fragen zu thematisieren und zur breiten Nutzung von klassischen Medien zu ermutigen.

Die praktische Umsetzung geschieht auf allen Ebenen. Sie beginnt in der 5. Klasse, in der sämtliche Kinder das Fach Medienerziehung und Medienethik haben. Dort erlernen sie die Grundlagen der Mediennutzung von Gefahren und Risiken über Nutzen und Möglichkeiten bis hin zu Spaß und Spiel. Ab Klasse 7 wird Medientechnik und Gestaltung als Wahlpflichtfach angeboten. Hier erwerben die Jugendlichen über eine technische und ästhetische Grundausbildung gestalterische Kompetenz. Schwerpunktthemen, die sie im Laufe der Jahre belegen können, sind beispielsweise Radio- und Videoproduktion oder auch die besonders stark aufgestellte Fotografie.

Für sämtliche Fächer gibt es ein Mediencurriculum, das die Lehrkräfte gemeinschaftlich vor sechs Jahren erstellt haben. „Die Zusammenarbeit in der Lehrerschaft funktioniert so gut, weil wir uns gegenseitig unterstützen und bereit sind, voneinander zu lernen. Da fragt man einander ganz offen um Rat – das ist unsere Kultur“, erklärt Dorothé Block, didaktische Leiterin in Barmen. Zurzeit werden die Curricula überarbeitet, zum einen wegen des raschen technischen Wandels, vor allem aber, um es nun an den neuen Kernlehrplänen auszurichten. Damit sie mit den neuen Anforderungen im Unterricht Schritt halten können, werden die Lehrkräfte regelmäßig in schuleigenen Fortbildungen fit gemacht. Und natürlich haben die Barmer auch daran gedacht, dass man bei diesem Thema die Eltern einbeziehen muss. Dabei hat sich als hilfreich erwiesen, Diskussions­angebote wie offenen Elternabende gemeinsam mit externen Experten wie der Landesmedienanstalt anzubieten.

Technik ist nicht alles

Die Gesamtschule Barmen verfügt über eine gute Ausstattung, „wichtiger ist aber, dass wir unsere Geräte gut pflegen und glücklicherweise auch auf Mittel aus unserem Förderverein zählen können“, sagt Dorothé Block. Neben dem schulweiten WLAN wird im kommenden Jahr der eigene Server zur Verwaltung der Benutzerkonten in eine sichere Cloudlösung überführt. „Der Server hat einfach nicht mehr ausgereicht. Das hat viel Überzeugungsarbeit gekostet, auch die Eltern mussten einverstanden sein, aber jetzt haben wir einvernehmlich eine gute Lösung gefunden“, berichtet die Didaktikerin Block. Neben den zahlreichen netzgebundenen Multimedia-Wagen verfügt die Schule unter anderem über drei Medienräume samt Videoschnitt­plätzen. Besonders stolz ist die Schule auf das gerade eröffnete Fotostudio für die schuleigene Fotofirma.

Aber Technik ist nicht alles: Ohne die Schülerinnen und Schüler ginge in Barmen gar nichts. Ihr breit gefächertes Engagement spielt eine entscheidende Rolle, damit die Gesamtschule ihr Ziel einer „verantwor­tungs­vollen und zukunftsorientierten Mediennutzung in und neben dem Unterricht“ erreichen kann.

Beispiel Schülermediendienst. Hier managen verantwortungsbe­wusste und zuverlässige Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 im wöchentlichen Wechsel die Ausleihe und Betreuung der Geräte. Dazu gehört, die von den Lehrkräften digital bestellten Geräte termin­gerecht an den gewünschten Klassen­raum zu liefern, aber auch die Abholung und ggf. Wartung, damit sie für den nächsten Einsatz bereit sind.

Beispiel Medienscouts: Etliche Schülerinnen und Schüler haben sich in Workshops der Landes­medienanstalt zu Experten für digitale Medien ausbilden lassen. Dort haben sie sich intensiv mit Themen wie Internet und Sicherheit, Social Communities, Handy und Computerspiele befasst. Im Schulalltag können sich Mitschülerinnen und Mitschüler vertrauensvoll an die Medienscouts wenden und ihre Fragen und Probleme loswerden – vom richtigen Passwort über die sichere Nutzung von Facebook bis hin zu Cybermobbing. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass junge Leute lieber von Gleich­altrigen etwas lernen und aufgrund des ähnlichen Nutzungsverhaltens Ratschläge auch eher annehmen. Übrigens werden die Medien­scouts auch häufig von Lehrern und Eltern zu Rate gezogen.

Beispiel Mediennutzungsordnung: Die Verwendung der Medien ist detailliert geregelt. So dürfen Handys nur im Unterricht genutzt werden, private Nutzung etwa in den Pausen ist auf dem gesamten Schulgelände nicht erlaubt. Dorothé Block erzählt begeistert: „Wir haben alle Regelungen gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und die Kinder haben das super angenommen, spielen jetzt in den Pausen Karten und starren nicht auf ihre Geräte“.

"Leseförderung ist uns ein wichtiges Anliegen"

Den Barmern geht es aber ganz ausdrücklich nicht nur um die kompetente Nutzung digitaler Medien: In einem eigenen Schwerpunkt Lesezeit erhalten Bücher und Zeitungen im Rahmen der schulischen Arbeit mit Medien einen wichtigen Stellenwert und werden bewusst gleichwertig neben anderen Informations- und Unterhaltungsmedien genutzt. „Die Leseförderung ist uns ein wichtiges Anliegen, und das tägliche Lesen von Zeitungen fördern wir ganz besonders “, berichtet Dorothé Block. Die Kinder der 6. Jahrgangsstufe können im freien Lernangebot Zeitung lesen und dabei den kritischen Umgang mit Informationen trainieren. In der 8. Klasse werden die Schülerinnen und Schüler für ein paar Wochen zu Reportern, besuchen die Redaktion des Kooperationspartners Westdeutsche Zeitung und setzen sich kritisch mit journalistischer Arbeit auseinander. In den Fächern Kunst und Wirtschaftslehre schließlich erfahren die Kinder etwas über die Her­stellung von Zeitungen, von Layout und Schrifttypen über Papierherstellung und Druckverfahren bis hin zu Vertrieb und Werbung.

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Das Medienkonzept der Gesamtschule Barmen zeigt damit ein umfassendes Verständnis von Medienkompetenz. Die digitalen Medien werden ernst genommen und erhalten in Unterricht und Schulalltag einen hohen Stellenwert, ohne dabei die Erziehung zur kompetenten Nutzung anderer Medien zu vernachlässigen.

Es ist wohl kein Zufall, dass das Medienkonzept und gerade auch die Nutzung der digitalen Medien in Barmen so gut laufen. Die Gesamt­schule ist nämlich insgesamt konzeptionell stark aufgestellt – und im Wortsinne ausgezeichnet: Mit ihrem Motto SCHULe-MIT-WIR-KUNG hat sie auch die Jury des Deutschen Schulpreises überzeugt und 2015 den Hauptpreis gewonnen.

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