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Auf dem Bild ist die Titelseite der Publikation "Stadt, Land, Bildung: Eine repräsentative Umfrage zu Bildungschancen in Deutschland" zu sehen
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Stadt oder Land: Wo haben junge Menschen die besseren Chancen auf gute Bildung?


Deutsche Telekom Stiftung veröffentlicht repräsentative Allensbach-Umfrage zu Bildungschancen – Befragt wurden Bürgermeister, Eltern und Schulleitungen – Kommunales Bildungsmanagement mit viel Luft nach oben - Stärken und Schwächen strukturell bedingt – Regional unterschiedliche Schwerpunktsetzung bei Bildungsangeboten


Bonn: Hängt der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland davon ab, ob sie in der Stadt oder auf dem Land zur Schule gehen? Und falls ja, was bedeutet das für die Bildungspolitik in den Ländern und Kommunen? Diesen und weiteren Fragen zu Bildungschancen in Stadt und Land ist das Institut für Demoskopie Allensbach nachgegangen. Bürgermeister, Eltern und Schulleitungen wurden im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung zum Bildungsangebot der eigenen Kommune befragt. Größere Unterschiede wurden dabei unter anderem bei der Verfügbarkeit außerschulischer Angebote oder solcher zur Berufsorientierung deutlich, aber erwartungsgemäß auch bei der Anbindung von Schulen an den Nahverkehr. Insgesamt halten die Befragten die Voraussetzungen in Stadt und Land aber für ähnlich gut: Über 80 Prozent aller Eltern und Bürgermeister sowie 70 Prozent der Schulleitungen haben den Eindruck, dass junge Menschen in der eigenen Stadt oder Gemeinde gute Bildungschancen haben.

„In Deutschland sagt man oft: Mit Bildung kann man keine Wahlen gewinnen, aber verlieren. Daher sind unsere Umfrageergebnisse in einem Superwahljahr mit fünf Landtags- und drei Kommunalwahlen eine gute Nachricht für alle Bildungspolitiker*innen. Denn offenbar empfindet keine der Befragtengruppen die eigene Region als ‚abgehängt‘ oder schlechter gestellt“, betont Jacob Chammon, Geschäftsführer der Telekom-Stiftung. „Allerdings macht die Studie auch deutlich, wie unterschiedlich die Strukturen vor Ort jeweils sind. Sie zeigt, dass Bildungspolitik nur erfolgreich ist, wenn sie gezielt auf die strukturellen Gegebenheiten ausgerichtet wird. Dabei hilft ein institutionalisiertes kommunales Bildungsmanagement – hier sind Stadt und Land bedauerlicherweise noch eher schlecht aufgestellt.“

Nur ein Drittel der Bürgermeister in den Städten und gerade sieben Prozent ihrer Amtskollegen in den ländlichen Gebieten bestätigen, Bildung systematisch sowie über Institutionen und Rechtskreise hinweg anzugehen. Dort, wo solch ein kommunales Bildungsmanagement etabliert ist, übernimmt es vielfältige Aufgaben. Besonders wichtig sind nach Auskunft der Bürgermeister der Auf- und Ausbau von Bildungsnetzwerken. Dazu arbeiten die Städte und Kommunen unter anderem mit den Schulen, aber auch mit Akteuren wie der Jugendhilfe und Vereinen zusammen und entwickeln gemeinsam Bildungsziele und -strategien.

Beim Blick auf die Rahmenbedingungen für Bildung punkten Städte erwartungsgemäß bei der Vielfalt außerschulischer Angebote und bei der Anbindung der Schulen an den Nahverkehr. Das sehen alle Befragtengruppen so. Die Schulleitungen in den Städten sehen sich bei der Einbindung von Schülern mit Migrationshintergrund im Vorteil. Auf dem Land werden die familiäre Atmosphäre an den Schulen, die kleineren Klassen und die Angebote zur Berufsorientierung von allen drei Gruppen besonders positiv bewertet.

Die Befragung von Eltern und Schulleitungen zeigt, dass die digitale Ausstattung von Schulen sowohl in den Städten als auch auf dem Land keine Herausforderung mehr zu sein scheint. Die Mehrheit der Schulleitungen (Stadt: 86 Prozent, Land: 87 Prozent) sieht das so. Die Eltern sind kritischer, aber auch sie bewerten die digitale Ausstattung mehrheitlich positiv (Stadt: 67 Prozent, Land: 61 Prozent). Überraschende Ergebnisse zeigen die Befragungen auch beim Lehrkräftemangel. Hier sind jeweils weniger als die Hälfte der Bürgermeister, Eltern und Schulleitungen der Meinung, zu wenig Lehrkräfte oder der Stundenausfall gehörten zu den größten Herausforderungen der Schulen.

Anders sieht das bei der finanziellen Ausstattung, beim Thema Bürokratie und auch bei der Einbindung von Eltern und Kindern mit Sprachbarrieren aus. Die Bürgermeister in ihrer Rolle als Schulträger beklagen fehlende finanzielle Mittel als größte Herausforderungen für ihre Schulen. 81 Prozent der Bürgermeister auf dem Land und 72 Prozent in der Stadt sind dieser Meinung. Die Schulleitungen nennen als ihr größtes Problem zu hohen Verwaltungsaufwand (Stadt: 85 Prozent, Land: 80 Prozent). 82 Prozent aller befragten Schulleitungen nennen außerdem mangelnde Sprachkenntnisse von Eltern und Kindern als Herausforderung im Schulalltag. Die bedauerlichen Folgen: Die Schüler können dem Unterricht weniger gut folgen und die Eltern können sich nicht ausreichend für die Belange ihrer Kinder einsetzen.

Eine Langfassung der Ergebnisse und Details zur Methodik sind verfügbar unter www.telekom-stiftung.de/stadt-land.