Jump to main content

Tüfteln statt büffeln

Lesezeit: 3 Minuten
Jugendliche mit VR-Brille in Bibliothek
©

Die Stadtbibliothek Köln ist nicht nur ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Sie gehört auch zu den ganz frühen MINT-Förderern – mit einem breit gefächerten Angebot für Kinder und Jugendliche. Direktorin Dr. Hannelore Vogt stellt ihre Einrichtung vor.

„You have to change to stay the same“: Dieses Zitat des Künstlers Willem de Kooning bringt die Leitlinie unseres Tuns recht gut auf den Punkt. Denn wenn sich die Welt verändert, müssen und wollen auch wir dieser Entwicklung Rechnung tragen. Vor ungefähr zwölf Jahren haben wir damit begonnen, uns intensiv Gedanken über die Zukunft der Bibliothek als Lernort zu machen. Einfach nur digitaler werden und in Technik investieren – das war uns nicht genug. Befeuert von neuen schulischen Richtlinien ist schließlich der Schwerpunkt MINT entstanden. Nach und nach haben wir immer mehr Angebote entwickelt, um Kindern und Jugendlichen Kenntnisse in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu vermitteln. Die Leitlinie: Tüfteln statt büffeln! Schließlich verhelfen nicht nur Bücher zu Wissen, sondern auch das eigene Erforschen.

Physisches Herzstück ist der MINTspace direkt neben dem Eingang zur Zentralbibliothek. Auf der Aktionsfläche gibt es neben 3D-Drucker, Plotter, Minirobotern und Experimentierkästen auch wechselnde interaktive Stationen. Außerdem können Nutzerinnen und Nutzer dort mit einer Occulus Go auf Tuchfühlung mit Virtual Reality gehen. Unseren ersten humanoiden Roboter NAO, der bereits 2016 eingezogen war, hat vor kurzem eine neue Generation abgelöst. NAO 2.0 gehorcht zwei Programmiersprachen. Ausgestattet mit allerhand Sensoren lassen sich Arme, Beine und Kopf via Tablet steuern. Der kleine Roboter ist in verschiedene Veranstaltungsformate eingebunden, unter anderem im Makerkids-Programm in den Osterferien.

Besonders stolz sind wir auf unser MINT-Festival in den Herbstferien: zwei Wochen vollgepackt mit Wissen zum Anfassen und Ausprobieren. Unser Höhepunkt des Jahres mit zuletzt rund 120 Events. Die elf Zweigstellen in Kölner Stadtteilen sind darin ebenso involviert wie unser Bibliotheksbus. Tatkräftige Unterstützung kommt von mehr als zwei Dutzend Kooperationspartnern, die mit jeder Menge Experimenten und Workshops für MINT begeistern wollen. 2023 waren unter anderem das Mathematikum Gießen und Ingenieure ohne Grenzen mit von der Partie. Doch nicht nur ihr Engagement freut uns, sondern auch die enorme Nachfrage. Das jüngste Programm war zu 97 Prozent ausgebucht! Das Schulamt hatte für uns die Werbetrommel gerührt und die Schulen über das Festival informiert. Dass so viele Kinder und Jugendliche daran teilgenommen haben, ist eine schöne Bestätigung für das, was wir tun und wie. Zeigt es doch, wie inspirierend Bibliotheken als sogenannte Dritte Orte sein können. Um gemeinsam zu lernen und sich austauschen, Wissen zu teilen und sich zu vernetzen.

Unser Erfolgsrezept? Auch wir arbeiten sehr agil. Unabhängig von Standort, ob Zentrale oder Zweigstelle, Ausbildung und Funktion gibt es 16 übergreifende Kompetenzteams für ganz unterschiedliche Themen. Das beginnt mit Diversität und reicht über Gaming bis Robotik. Jedes Team besteht aus sechs bis acht Mitarbeitenden, die eine große Affinität zum jeweiligen Thema haben. So konnten wir im Laufe der Jahre ein breitgefächertes Expertenwissen aufbauen. Diese Trendscouts haben sogar ein eigenes Budget. Damit können sie sowohl Know-how einkaufen als auch technisches Equipment.

Natürlich profitieren wir auch von der Partizipation unserer Mitglieder. Zum Beispiel laufen einige Robotik-Workshops unter der Regie von Schülerinnen und Schülern. Diese Schwarmintelligenz ist eine große Hilfe. Denn: Der Bedarf ist riesig. Wäre es personell zu stemmen, könnten wir noch viel mehr Angebote auflegen. Dabei würde uns eine feste Stelle für die MINT-Koordination sehr helfen.
 

Porträtfoto Dr. Hannelore Vogt
Die promovierte Kulturmanagerin und Bibliothekarin Hannelore Vogt führt seit 2008 die Stadtbibliothek Köln (Foto: Julia Unkel).


Gut zu wissen:

  • Neben der Zentrale des Bibliothekssystems im Kulturquartier am Neumarkt hat die Stadtbibliothek Köln elf Zweigstellen sowie einen Bibliotheksbus, der 18 Standorte anfährt.
  • Mit rund 2,5 Millionen Besuchern pro Jahr ist die Stadtbibliothek die meist genutzte Kultureinrichtung Kölns.
  • Jährlich finden dort mehr als 4.000 Veranstaltungen statt, darunter das zweiwöchige MINT-Festival.
  • Mehr als 70 Prozent der Mitglieder sind jünger als 40 Jahre.


In unserer Reihe "Bibliotheken im Porträt" berichten wir über die Arbeit in deutschen Stadtbibliotheken. Mit ihren breiten Angeboten zu unterschiedlichen Themen sind sie ein wichtiger außerschulischer Lernort für junge Menschen. Die anderen Teile können über die Links am Ende dieser Seite aufgerufen werden.