Jump to main content
JIA Schüler mit Dezibot

Von Leipzig nach Las Vegas

Absolventen der Junior-Ingenieur-Akademie präsentieren eigenen Mini-Computer auf Fachkonferenz in den USA

Normalerweise würden sie ihre Ferien wohl im Freibad oder am See verbringen. Doch in diesem Sommer wartet auf die vier Leipziger Gymnasiasten Anina, Anton, Hans und Saskia, alle 17 Jahre alt, ein ungleich größeres Abenteuer. Gemeinsam reisen sie nach Las Vegas, um Anfang August  am World Congress in Computer Science, Computer Engineering & Applied Computing (CSCE 18) teilzunehmen, einer der größten und wichtigsten Informatiker-Konferenzen weltweit. Vor einem Fachpublikum stellen sie dort ihre Erfindung vor: einen Roboterbausatz für den Informatikunterricht an Schulen – den „Dezibot".

Mit dem Dezibot können Schüler ganz praktisch die Programmierung und Steuerung eines Roboters erlernen. Er verfügt über verschiedene Sensoren, lässt sich per WLAN vernetzen und wird von einem Akku angetrieben. Zudem ist er so klein, dass man ihn gut transportieren kann und er in jede Schultasche passt. Das schlagendste Argument ist aber: Im Gegensatz zu anderen Robotern, die häufig mehrere tausend Euro kosten, ist der Dezibot für weniger als zehn Euro zu haben – ideal für Schulen, die sich den Winzling so auch im Klassensatz leisten können.

„Die Gutachter wissen nicht, dass wir noch zur Schule gehen“

Entwickelt haben die vier Jugendlichen den Dezibot schon 2015 im Rahmen der Junior-Ingenieur-Akademie (JIA). Das Technikfach wird in Leipzig, initiiert von der Deutsche Telekom Stiftung, schulübergreifend an drei Gymnasien unterrichtet. Als Kooperationspartner mit im Boot ist auch die Hochschule für Telekommunikation Leipzig. Gemeinsam mit Jens Wagner, damals Professor für Technische Informatik an der HfTL, stellten sich die Schüler die Frage, wie man den Informatikunterricht an Schulen praktisch erlebbarer gestalten könnte. Schnell kam man auf die Idee eines Roboterbausatzes. Und als die Junior-Ingenieur-Akademie nach zwei spannenden Schuljahren zu Ende ging, führten Anina, Anton, Hans und Saskia das Projekt mit Professor Wagner kurzerhand privat weiter.

Wagner ist vom Engagement und der Kreativität der Schüler begeistert: „Sie haben sich ambitionierte Ziele gesteckt und sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen.“ Dass sie das Ergebnis ihrer Forschungsarbeit beim hochkarätig besetzten CSCE würden vorstellen dürfen, hätten sich die Jugendlichen trotzdem nicht träumen lassen. Schließlich wird im Schnitt nur jeder fünfte eingereichte Antrag von den strengen Gutachtern akzeptiert. 17,5 von möglichen 20 Punkten erhielten die Leipziger – ein Traumergebnis. Einreichen mussten sie ihre Arbeit übrigens anonym. „Die Gutachter halten uns für Wissenschaftler und wissen nicht, dass wir noch zur Schule gehen“, so die vier Junior-Ingenieure. Ein denkwürdiger Auftritt ist ihnen so schon jetzt gewiss.