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Schultafel mit den Begriffen „Dos“ und „Don'ts“

So geht gute MINT-Lehrerbildung – und so nicht

Zehn Erkenntnisse aus der Arbeit unserer Hochschul-Entwicklungsverbünde

Wie und was müssen Lehramtsstudierende an der Uni lernen, damit aus ihnen später gute Lehrer werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Deutsche Telekom Stiftung bereits seit ihrer Gründung. In den vergangenen Jahren hat die Stiftung mehr als ein Dutzend Hochschulen dabei unterstützt, gemeinsam die MINT-Lehrerausbildung in Deutschland nachhaltiger, praxisnäher und besser zu machen.

Etliche Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit sind online auf www.mint-lehrerbildung.de dokumentiert. Ergebnisse, die erst durch die intensive Zusammenarbeit über die einzelnen Uni-Standorte hinweg entstehen konnten und die bereits jetzt dazu geführt haben, dass sich Studiengänge und -angebote verändert haben, um die Studierenden noch besser auf den Alltag im Klassenzimmer vorzubereiten. Denn es gibt ein paar grundlegende Erkenntnisse, die zeigen, wie gute Lehrerausbildung geht.
 

Was Universitäten auf jeden Fall machen sollten:

  • Universitäten dürfen sich auch mal selbst auf die Schulter klopfen. Denn wenn sie gute MINT-Lehramtsstudiengänge mit innovativen Ausbildungskonzepten anbieten, dann ist das ein guter Grund, stolz zu sein – und diese gelungene Lehrerausbildung auch selbstbewusst nach außen zu tragen.
  • Lehren ist lernbar. Lehramtsstudierende müssen gezielt und gekonnt mit dem Handwerkszeug ihres Berufs vertraut gemacht werden. Sie brauchen ausgezeichnete Diagnosekompetenzen, um daraus gezielte Fördermaßnahmen für ihre immer heterogenere Schülerschaft abzuleiten und damit individuelle Lernerfolge auch und gerade in den MINT-Fächern zu ermöglichen.
  • Wissen, was man tut – das ist für jeden Beruf wichtig, insbesondere aber für Lehrkräfte als Initiatoren und Begleiter pädagogischer Prozesse bei Kindern und Jugendlichen. Und zu diesem Wissen gehört das strukturierte Reflektieren über das eigene Handeln. Diese Lehr-Lern-Kompetenz mit einer exzellenten fachlichen Ausbildung zu verbinden und dabei die zunehmende Heterogenität der Schüler im Blick zu behalten – das ist der Maßstab, an dem sich die MINT-Lehrerausbildung der Hochschulen messen lassen muss.
  • Smartphones und Spielekonsolen im Unterricht regen den Forschergeist an – und sollten deshalb in MINT-Ausbildungskonzepten einen festen Platz haben. Das bedeutet, die ausbildenden Universitäten sollten Ideen entwickeln, wie digitales Denken, Reflektieren und Handeln mit spielerischen Mitteln und auf didaktisch sinnvolle Weise gefördert werden kann.
  • MINT-Talente gehören in die erste Reihe – sie sollten gefeiert und gefördert werden. Denn nach wie vor entscheiden sich viel zu wenige Schulabgänger für einen MINT-Karriereweg. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: Schon heute ächzt unsere Wirtschaft unter einer riesigen MINT-Fachkräftelücke. Zu den Berufen, in denen Mangel herrscht, zählt auch das MINT-Lehramt. Was besonders tragisch ist, denn: Ohne gute Lehrkräfte, die ihre Schüler für MINT-Themen begeistern, keine neuen MINT-Talente. Für Mathematik, Informatik, die Naturwissenschaften und Technik werden an den Schulen deshalb wirklich nur die besten Lehrerinnen und Lehrer benötigt. 

Was Universitäten auf gar keinen Fall machen sollten:

  • Lehramtsstudierende sind keine Fachstudenten zweiter Klasse und MINT-Didaktik ist kein Fachgebiet für diejenigen, die es sich leicht machen wollen. Wenn Universitäten ihre Studiengänge für angehende Lehrerinnen und Lehrer immer noch geringschätzen, haben sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Stattdessen müssen sich die Akteure an den Hochschulen zusammenschließen und voneinander lernen. Denn ohne eine ausreichende Zahl gut ausgebildeter MINT-Lehrkräfte bricht ein entscheidender Teil des Schul- und Bildungssystems zusammen.
  • Schülerinnen und Schüler, die wegen ihrer eigenen zwölfjährigen Praxiserfahrung in der Schule denken, sie wüssten, wie der Lehrerberuf ist, täuschen sich. Als Kriterium für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums taugt die aus der eigenen Schulzeit herrührende Einschätzung kaum. Unis müssen sich Gedanken darum machen, wen sie eigentlich in ihren MINT-Fächern zu Lehrkräften ausbilden wollen – und wie man mit klug konzipierten Auswahlverfahren genau diese Studierenden findet.
  • Wer als Lehrkraft gerne auf klassische „Kochbuch-Experimente“ zurückgreift, bei denen Versuchsaufbau und Durchführung streng vorgegeben sind und das Ergebnis von vorneherein feststeht, der hat die Kraft des forschenden Lernens noch nicht erkannt. Das gilt für Hochschuldozenten genauso wie für angehende Lehrerinnen und Lehrer. Selber immer offen zu bleiben für neue Lernerfahrungen – das ist die große Herausforderung. Wenn die eigene Neugier nachlässt, sollte man einfach mal einen Besuch in einem Lehr-Lern-Labor einschieben. Solche Labore gibt es mittlerweile an vielen Hochschulen. Angeleitet von Wissenschaftlern, können Schüler dort ganz frei und selbstständig experimentieren – auf der Suche nach echtem Erkenntnisgewinn statt bloßer Ergebnis-Reproduktion.
  • Auf gar keinen Fall sollten Universitäten die Praxisphasen des Studiums als unwissenschaftlich, unwichtig oder lästig abqualifizieren. Die Idee, dass Studierenden im Unterrichtspraktikum schon irgendwie Erfahrungen zufliegen, die sie dann später im Beruf brauchen können, ist lebensfern. Wichtig ist stattdessen die strukturierte und reflektierte Einbindung der gemachten Erfahrungen in die Lernprozesse des Studiums. Auch das funktioniert übrigens am besten in einem Lehr-Lern-Labor.
  • Wer Lehrkräfte für guten MINT-Unterricht in der digitalen Welt ausbilden will, sollte auf keinen Fall das an vielen Schulen noch immer bestehende Handy-Verbot in die Universität übernehmen. Digital ist normal – das ist auch und gerade in Bildungseinrichtungen so. Oder sollte es zumindest sein

Foto: Mohd Khairilx/Shutterstock