Jump to main content
pisa-ergebnisse

Naturwissenschaften fehlt Akzeptanz

Die neuen Ergebnisse der Pisa-Studie

Platz 16 von 72, stabile Leistungen im oberen Mittelfeld: Die Ergebnisse der deutschen Schüler beim neuesten Pisa-Test sind nicht schlecht. Doch der Anschluss an die weltweit besten Schulnationen wie Singapur und Kanada oder an europäische Spitzenreiter wie Finnland und Lettland ist noch nicht gelungen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bei Pisa standen diesmal die Naturwissenschaften im Mittelpunkt, Deutschland landete auf Platz 16 von 72 teilnehmenden Staaten und Wirtschaftsregionen. Damit liegen die deutschen Schüler „weiterhin im guten Mittelfeld und deutlich über dem OECD-Durchschnitt“, sagt Andreas Schleicher, Pisa-Koordinator bei der OECD. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die Pisa-Studie im vergangenen Jahr durchgeführt, die Auswertung der Daten ist erst jetzt abgeschlossen worden.
  • Weltweit am besten sind die Schüler aus Singapur (556 Punkte im Pisa-Naturwissenschaften-Test), dann folgen Japan (538 Punkte) und Estland (534 Punkte). Am schlechtesten schneiden Algerien (376) und die Dominikanische Republik (332) ab. Die deutschen Schüler kommen auf 509 Punkte; der OECD-Durchschnitt beträgt 493 Punkte.
  • In Sachen Chancengleichheit für Kinder aus sozial schwachen Familien hat sich aus deutscher Sicht einiges verbessert, der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg ist allerdings immer noch hoch.
  • Pisa-Daten werden alle drei Jahre erhoben. Im Vergleich zur Studie von 2012 sind die naturwissenschaftlichen Leistungen der deutschen Schüler leicht zurückgegangen - das sind sie aber in der gesamten OECD. Insgesamt entsprechen die Ergebnisse aber dem Resultat der Pisa-Erhebung von 2006, als zuletzt die Naturwissenschaften im Mittelpunkt standen. Pisa-Koordinator Schleicher spricht deshalb ausdrücklich „nicht von Rückschritt, sondern von Stabilisierung auf überdurchschnittlichem Niveau“.

Schleicher sagt außerdem: Im deutschen Schulsystem habe es nach dem Pisa-Schock 2001 massive Veränderungen und Verbesserungen gegeben, die zu deutlich besseren Schulleistungen der 15-Jährigen geführt hätten. Jetzt aber sei der Reformeifer ein wenig erlahmt. Um zur Weltspitze aufzuschließen, mahnt Andreas Schleicher die Bildungspolitik, sei „ein weiterer Quantensprung“ nötig.

Die Bildungsforscher ermittelten allerdings auch Ergebnisse, die – nicht nur aus Sicht der Deutschen Telekom Stiftung - als echte Alarmsignale gewertet werden müssen:

  • Die getesteten Schülerinnen und Schüler wurden unter anderem gefragt, ob sie sich später einmal eine berufliche Karriere im naturwissenschaftlichen Bereich vorstellen können. Deutschland landete hier auf dem drittletzten Platz aller 72 Länder.
  • Das hat nach Meinung von Andreas Schleicher auch mit den direkten Erfahrungen im Biologie-, Chemie- und Physikunterricht zu tun: So sei die Unterstützung durch die Lehrer „erstaunlich schlecht“ bewertet worden, „die Freude an Technik und Naturwissenschaften ist deutlich geringer ausgeprägt als in anderen Ländern“.
  • Zwar erzielen Mädchen in den MINT-Fächern mittlerweile ähnlich gute Leistungen wie Jungen, erheblich Unterschiede bestehen aber nach wie vor in der Einstellung zu Technik- und Wissenschaftsthemen. Andreas Schleicher: „Den Mädchen wird da offenkundig weniger zugetraut.“

Insgesamt zeigt sich damit ein massives Imageproblem der Naturwissenschaften in Deutschland. Wer mittel- und langfristig den Fachkräftemangel beheben will, muss hier ansetzen - so, wie es die Telekom Stiftung beispielweise mit den Entwicklungsverbünden für Lehrerbildung tut, die an 13 Hochschulen bundesweit gefördert werden.

Foto: SeitenPlan