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Studierende arbeiten gemeinsam an einem Tisch

„Mehr Kooperation, innerhalb und zwischen Hochschulen!“

Wie entwickeln Lehrer sinnvolle Fördermaßnahmen für einzelne Schüler? Welche Kompetenzen und welches Handwerkszeug brauchen die Lehrer dafür? Eine Einschätzung von vier Experten, die am Entwicklungsverbund Lehrerbildung beteiligt waren.

Der Austausch mit den Kollegen im Verbund habe viele Denkanstöße geliefert und sei „sehr intensiv“ gewesen, ziehen Corinna Hößle, Julia Michaelis und Verena Niesel von der Universität Oldenburg Bilanz. „Der Transfer des Diagnosewissens zwischen den MINT-Fächern und den Bildungswissenschaften ist notwendig und muss durch Unterstützungsmaßnahmen gefördert werden“, sagt Julia Michaelis. Dabei sei, ergänzt ihre Kollegin Corinna Hößle, der Blick auf das gesamtuniversitäre Curriculum der Lehrerausbildung nötig, „um die Vermittlung der diagnostischen Kompetenz für die zukünftigen Lehrkräfte adäquat umzusetzen“.

Die drei Forscherinnen betonen aber: Um eine wirklich aussagekräftige Forschung mit nachhaltigen Wirkungen auf die Lehrerausbildung durchführen zu können, seien Langzeitstudien unumgänglich. Die sollten dann aber, unterstreicht Stephan Hußmann von der Technischen Universität Dortmund, von der Perspektive her noch einmal breiter angelegt sein. „Lehrerbildung muss sich mit der gesamten Breite von Inklusion beschäftigen“, sagt Hußmann. Nicht nur individuelle Einschränkungen, auch Mehrsprachigkeit oder Migration seien Aspekte, auf die zukünftige Lehrerinnen und Lehrer vorbereitet werden müssten. Und er weist noch auf eine weitere, aus seiner Sicht zentrale Entwicklung hin: Die Digitalisierung verändert auch die Ausbildung und den Alltag von Lehrern massiv – ein Themenfeld, dem sich die Telekom-Stiftung in einem neuen Förderverbund widmen wird.
 

Experten aus dem Entwicklungsverbund
Machten gute Erfahrungen mit der Kooperation (v. l.): Julia Michaelis, Stephan Hußmann, Claudia von Aufschnaiter und Christine Knipping.


Wie wichtig es ist, die Studierenden bei der Weiterentwicklung der Lehrangebote mit einzubeziehen, heben Claudia von Aufschnaiter und Katja Lengnink von der Universität Gießen hervor. „Wir konnten unsere Lernangebote zur Diagnostik vor allem deshalb zielgerichtet und lernerorientiert weiterentwickeln, weil wir das Handeln, Verstehen und Lernen von Studierenden diagnostizieren durften“, sagen die beiden Didaktikerinnen und sprechen einen großen Dank an die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer aus: „Die Bereitwilligkeit von Studierenden, sich in die Karten schauen zu lassen, hat uns beeindruckt und bereichert, als Forscherinnen und als Dozentinnen.“ Auch sie plädieren für „mehr Kooperation, innerhalb und zwischen den Hochschulen“, wie sie der Entwicklungsverbund exemplarisch möglich gemacht habe. Denn der Austausch erweitere die Perspektiven und führe damit zu besserer Lehre. „Die Kooperation ist nicht immer leicht oder reibungsfrei, aber ihre Erträge sind ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Heterogenität und Pluralität ein Antrieb für Wandel sein können“, sagt Claudia von Aufschnaiter.

Vor allem aber führte die Kooperation bereits zu veränderten Formen des Lehrens und Lernens an den beteiligten Universitäten, bei dem die Reflexion des eigenen Handelns im Mittelpunkt steht. „Die Studierenden erforschen gewissermaßen ihren eigenen Unterricht“, beschreibt Christine Knipping von der Universität Bremen den Ansatz. Im Rahmen des Praxissemesters würden Möglichkeiten der Diagnose und Förderung erkundet und entwickelt: „Diese Erfahrung verändert die Sensibilität für didaktische Fragestellungen.“ Das mache sich dann auch im weiteren Studienverlauf positiv bemerkbar.

Rundum gute Erfahrungen also, von denen die Beteiligten im Entwicklungsverbund berichten. Und ein nachhaltiges Produkt ist im Rahmen der Forschungsarbeiten auch entstanden: Die Ergebnisse des Verbunds wurden in einem anspruchsvollen Fachbuch zur Diagnostik zusammengefasst. Die Arbeit daran, sind sich die Forscherinnen und Forscher einig, sei „eine große Bereicherung“ gewesen.

Autor: Armin Himmelrath / Fotos: Jakob Lund/Shutterstock