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Eine Hand bewegt eines von mehreren Puzzelteilen

Lernen zum Quadrat

Im Landauer Lehr-Lern-Labor ist Mathe mehr.

Heute ist viel los in der mathematischen Fakultät. Die Sonne scheint durch die großen Glasfenster des modernen Gebäudes, überall hört man aufgeregtes Gemurmel. Im Mathematik-Labor „Mathe ist mehr“ der Universität Koblenz-Landau ist wieder eine sechste Klasse zu Gast. Die Schülerinnen und Schüler legen bunte Rechtecke aneinander und schieben Dreiecke zusammen. Immer wieder entstehen so neue Formationen und Farbmuster. An der Station „Mathematik und Kunst“ geht es darum, anhand von Werken konkreter Künstler wie Max Bill die Bruchrechnung zu verstehen.

Jürgen Roth ist Professor für Mathematikdidaktik und leitet das Lehr-Lern-Labor. Er möchte Schülerlabore in Lehr-Lern-Labore umwandeln und sie stärker in die konkrete Ausbildung der Lehramtsstudierenden einbinden. Das Vorhaben wird von der Deutsche Telekom Stiftung gefördert – und ist auf verschiedenen Ebenen erfolgreich. „Im Lehr-Lern-Labor werden Studierende auf ihr späteres Lehrerhandeln vorbereitet, wo sie spontan auf das, was Schülerinnen und Schüler tun, reagieren und damit weiterarbeiten müssen. Genau das wird hier geschult“, erklärt Jürgen Roth begeistert. Masterstudent Robin Langen kann das nur bestätigen.
 

Gruppe Lehr-Lern-Labor Landau
Jürgen Roth (Mitte) mit seiner Arbeitsgruppe „Didaktik der Mathematik“ und Doktorandin Marie-Elene Bartel (rechts).


Denn neben der Unterrichtserfahrung geht es im Lehr-Lern-Labor auch um die Verbindung von Theorie und Praxis. So wird die Stunde nach dem Besuch der Schüler von den Studierenden reflektiert. Gemeinsam mit Jürgen Roth und Doktorandin Marie-Elene Bartel diskutieren immer neue Studierende die Aufgabenstellungen auf Grundlage der Theorie und überprüfen die verwendeten Konzepte, wodurch diese stetig verbessert werden. Kontinuierlich und nachhaltig wird auf diese Weise fachdidaktische Entwicklungsforschung betrieben.

Die Station „Mathematik und Kunst“ im Lehr-Lern-Labor, an der das Begreifen mit den Händen im Mittelpunkt steht, kommt nicht nur bei den Schülern und Studierenden gut an. Auch Lehrerin Catrin Schulz von der Konrad-Adenauer-Realschule plus mit Fachoberschule Technik (KARS) findet den Besuch spannend. Und sie freut sich auch über die Materialien wie das Arbeitsheft, auf die man auch von zu Hause aus zugreifen kann.
 

PODCAST: WARUM INS LEHR-LERN-LABOR

Lehrerin Catrin Schulz mit Schülerin
Lehrerin Catrin Schulz spricht im Podcast über ihre Schüler.


Damit aber nicht nur die höheren Semester, sondern alle Studierenden davon profitieren, arbeiten Jürgen Roth und seine Arbeitsgruppe daran, das Lehr-Lern-Labor auch für Großveranstaltungen – etwa in Vorlesungen im Lehramtsbachelor Mathematik – nutzbar zu machen. „Wir reden hier von 300 bis 400 Studierenden, deswegen haben wir ViviAn, das Videovignetten-Analysetool, entwickelt“, erzählt Jürgen Roth. Während die Schülerinnen und Schüler an den Mathe-Kunst-Aufgaben arbeiten, zeichnen an der Decke integrierte Videokameras ihre Interaktion von oben auf. Am anderen Ende des Flurs in einem Büro verfolgt Marie-Elene Bartel auf ihrem Bildschirm, was während der Gruppenarbeitsphasen passiert. Die junge Doktorandin wählt Sequenzen aus, die später in Vorlesungen oder Seminaren gezeigt und mithilfe von ViviAn von den Studierenden analysiert werden können. So üben Studierende schon früh, die mathematischen Vorstellungen und die Defizite von Schülern zu erkennen und sinnvoll darauf zu reagieren.

Seit rund einem Jahr arbeitet Marie-Elene Bartel nun an ViviAn (zum Erklärvideo). Sie hat lange überlegt, wie eine userfreundliche Oberfläche aussehen könnte, auf der sich die Studierenden gut zurechtfinden. Doch das Vignettentool dient nicht nur den Studierenden zur Übung. „In meiner Dissertation geht es um die Frage, wie man die diagnostische Kompetenz von Mathematik-Lehramtsstudierenden mithilfe von Videovignetten fördern kann“, sagt Marie-Elene Bartel. So fließen die Erfahrungen der verschiedenen Akteure des Lehr-Lern-Labors wieder in die Forschung ein und helfen dabei, die Lehrerbildung stetig zu verbessern. An vielen anderen Universitäten gibt es ähnliche Bestrebungen.

Autorin: Eleonora Pauli / Fotos: tomertu/Shutterstock, Karin Hiller