Jump to main content
Stiftungsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Schuster

„Jeder kann von anderen lernen“

Seit 2017 engagiert sich die Deutsche Telekom Stiftung mehr und mehr auch im europäischen Umfeld. Warum, erläutert der Vorsitzende Professor Wolfgang Schuster im Interview.

Herr Schuster, für Sie und auch für Ihre Stiftungskollegen standen im vergangenen Jahr eine Reihe von Auslandsterminen an …
Das ist richtig. Aber wir hatten auch viele Besucher aus dem Ausland, die sich für unsere Arbeit interessieren. Internationale Kontakte sind immer ein Geben und Nehmen, da jeder von anderen lernen kann. 


Die Arbeit im Ausland ist im Stiftungszweck ausdrücklich vorgesehen. Mehr als zehn Jahre lang wurden aber nur Projekte in Deutschland umgesetzt. Warum? 
Weil es zunächst galt, die Stiftungsarbeit hierzulande auf sichere Füße zu stellen. Das hat uns die Stifterin mit auf den Weg gegeben und das Kuratorium hat diesen Weg stark befürwortet. Wir haben uns dabei als lernende Organisation verstanden. Wir entwickeln mit Partnern aus Wissenschaft und Bildungspraxis Ideen für gute MINT-Bildung, erproben diese Ansätze und skalieren die Projekte, um möglichst große Breitenwirkung zu erzielen. Mit dieser Herangehensweise, der Fokussierung auf die MINT-Bildung und auf Deutschland, haben wir es in knapp 15 Jahren zu einem der zentralen Akteure der Bildungslandschaft gebracht. Dies hat zur Folge, dass unsere Arbeit auch im Ausland wahrgenommen wird. So haben wir in den letzten Jahren vor allem aus den europäischen Nachbarländern immer öfter Anfragen bekommen, ob wir auch bereit wären, uns über die Grenzen hinaus zu engagieren. Im Sinne der europäischen Integration haben wir begonnen, uns dieser Aufgabe anzunähern.


Das klingt sehr vorsichtig …
Ich nenne es überlegt. Unsere erfolgreichen Aktivitäten lassen sich nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen. Wir gehen daher strategisch vor und analysieren, wie die Situation im jeweiligen Land in puncto MINT genau aussieht. Darüber hinaus haben wir den Anspruch, auch im Ausland eher operativ zu arbeiten und nicht einfach bestehende Vorhaben finanziell zu fördern. Um das zu erreichen, bedarf es – genau wie in Deutschland – ausführlicher Gespräche mit potenziellen Partnern. So sind wir in einzelnen Ländern im Dialog mit Vertretern der Administration, aber auch mit Experten aus der Bildungspraxis wie Hochschullehrern und Schulleitern. Und weil man das Rad nicht immer neu erfinden muss, arbeiten wir hier in Deutschland mit Partnern zusammen, die internationale Erfahrungen oder sogar Netzwerke haben.


Nennen Sie bitte Beispiele für das aktuelle Engagement im Ausland. 
Wir haben im vergangenen Jahr drei Programme konkret vorangetrieben: zunächst die Schulpartnerschaften der Junior-Ingenieur-Akademien. Hier geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler gemeinsam an Technikprojekten arbeiten. Dazu finden Austausche von Lehrern und Schülern statt. Die Gruppen arbeiten zum Beispiel gemeinsam an Projekten mit 3-D-Druckern oder bauen Roboter. Was mich hier immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, dass die Jugendlichen trotz Sprachbarrieren Wege finden, sich real und virtuell auszu-tauschen. Der nächste Schritt ist der Aufbau von eigenständigen Junior-Ingenieur-Akademien im Ausland. Ein zweites Vorhaben sind Auslandshospitationen unserer FundaMINT-Stipendiaten. Wir unterstützen angehende MINT-Lehrer dabei, an deutschen Schulen im Ausland zu hospitieren. Das dritte Projekt sind die MINT-Vorlesepaten. Dabei engagieren sich Paten ehrenamtlich, um Kinder über das Lesen an mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Themen heranzuführen. Alle drei Projekte eint, dass wir damit nicht nur etwas für gute MINT-Bildung tun, sondern auch Multiplikatoren gewinnen, die die Projekte und ihre inhaltlichen Ziele weitertragen.


Was meinen Sie damit genau?
Uns ist die Skalierung der inhaltlichen Ziele wichtig, um möglichst vielen jungen Menschen bessere Bildungschancen zu eröffnen. Das gilt für die Aktivitäten im Inland, aber auch für die im Ausland. Uns geht es also nicht nur um die individuellen Erfahrungen, die Menschen bei Schüleraustauschen oder Hospitationen machen. Es geht uns vor allem darum, dass die inhaltlichen und methodischen Ansätze weitergegeben werden, damit eigene Netzwerke in den Ländern entstehen, sei es für die JIA-Schulen, die MINT-Vorlesepaten oder künftig auch das Netzwerk der Jugendhäuser, die in der „Ich kann was!“-Initiative unterstützt werden. So wird Europa für viele junge Menschen erlebbar, greifbar, verständlich und wertvoll. 


Das Interview stammt aus unserem aktuellen Jahresbericht 2017/2018, in dem Sie noch mehr über unsere internationalen Aktivitäten erfahren.

Foto: Sascha Kreklau