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Illustration Elke Hannack und Friedrich Hubert Esser

„Imagekampagnen reichen nicht“

Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist gut, aber noch nicht gut genug, sagen Gewerkschafterin Elke Hannack und Experte Friedrich Hubert Esser im Interview mit der „sonar“.

„Überall dort in Europa, wo es diese enge Verknüpfung von Ausbildung und Arbeitsmarkt gibt, ist die Jugendarbeitslosigkeit extrem niedrig“, betont Elke Hannack. Doch bei allem Lob der dualen Berufsbildung räumt die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ein, dass eine Optimierung nötig sei. Bei einer Befragung der DGB-Jugend hätten nur 70 Prozent Zufriedenheit mit ihrer Ausbildung bekundet, „30 Prozent aber eben nicht“.

In der aktuellen Ausgabe der „sonar“ – dem Bildungsmagazin der Telekom-Stiftung – diskutiert Elke Hannack mit dem Berufsbildungsexperten Professor Friedrich Hubert Esser über die Vor- und Nachteile der dualen Ausbildung in Deutschland. Eine große Herausforderung sei etwa die Digitalisierung. Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), erklärt im Interview, die Lehrpläne würden zwar regelmäßig aktualisiert und an den technologischen Fortschritt angepasst. Allerdings verändere sich die Arbeit durch die Digitalisierung gerade schneller und gravierender als bei früheren Sturkturwandeln – und mit ihr auch das Anforderungsprofil an die Beschäftigten. Dem müssten, so Esser, schon die allgemeinbildenden Schulen Rechnung tragen: „Für uns ist es wichtig, in den Schulen einen Bildungsstandard zur Digitalisierung zu entwickeln, damit die jungen Leute ein gewisses Grundverständnis auf diesem Gebiet mitbringen, wenn sie nach der Schule in die Berufsausbildung kommen.“ Doch dafür braucht es erst einmal digital kompetente Lehrer. Elke Hannack fordert deshalb, Weiterbildung in Sachen Digitalisierung für Lehrkräfte verpflichtend zu machen – wenn nötig, auch in den Schulferien.

Konkurrenz durch Niedriglohnsektor
Einig sind sich die beiden Interviewpartner darin, dass es wichtig sei, die Rahmenbedingungen einer dualen Berufsausbildung attraktiver zu machen, um mehr junge Menschen dafür zu gewinnen. Gewerkschafterin Elke Hannack fordert eine Mindestausbildungsvergütung von 635 Euro. Es müsse „eine Vergütung geben, die deutlich über dem Niedriglohn liegt. Schon jetzt beobachten wir, dass sich der Niedriglohnsektor zu einer immer größeren Konkurrenz für das duale System auswächst und es letztlich extrem beschädigt“, so Hannack. Friedrich Hubert Esser attestiert der Berufsausbildung derweil ein zu geringes Ansehen in der Bevölkerung. Um dieses zu verbessern, genügten Imagekampagnen alleine aber nicht: „Vielmehr bedarf es Menschen, die sich persönlich engagieren und glaubhaft vermitteln, dass es bei der dualen Ausbildung um eine hochrangige Qualifizierung geht, die Erfolg und Karriere im Beruf verspricht.“

Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Bildungsmagazins „sonar“, die sich mit der Beruflichen Bildung in Deutschland beschäftigt.

Illustration: Sergio Ingravalle