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Mädchen mit einem Luftballon in der Hand

„Frühkindliche Bildung hat großes Potenzial“

FRÜHE MINT-BILDUNG – Das Engagement der Deutsche Telekom Stiftung hat mit dafür gesorgt, dass sich die MINT-Bildung als fester Bestandteil der frühen Bildung etabliert hat.

DIE DEUTSCHE TELEKOM STIFTUNG WIRD IN DIESEM JAHR 15 JAHRE ALT. DER BEITRAG ERSCHEINT ANLÄSSLICH DIESES JUBILÄUMS.


„Gute Bildung muss früh beginnen“, betont Stefanie Hubig, Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz. „Frühes Demokratielernen, Inklusion, Naturpädagogik, digitale Bildung oder die frühe Förderung im MINT-Bereich, also in Mathematik, Informatik, den Naturwissenschaften und Technik, sind nur einige Beispiele für die vielfältigen Themengebiete, in denen Kitas frühe Bildung ermöglichen.“ Zu Stefanie Hubigs Verantwortungsbereich gehören neben den Schulen eben auch die Kindertagesstätten im Land. Damit drückt sich in der Organisation der Landesregierung aus, was die Wissenschaft schon lange weiß und was in der Öffentlichkeit mittlerweile wohl niemand mehr bestreitet: dass Bildung nicht erst mit der Einschulung beginnt, sondern bei den Kleinsten ansetzen muss. 

Startchancen verbessern
Tatsächlich war das nicht immer so. Als 2001 die erste PISA-Studie erschien und in Deutschland angesichts unerwartet schlechter Schülerleistungen für einen Schock sorgte, gab es keinerlei Bildungspläne für die Kindertagesstätten, keine staatlichen Vorgaben also, was Kinder in der Kita lernen sollen. Welche Kompetenzen vermittelt wurden, das entschieden damals die Träger und das Personal in eigener Verantwortung vor Ort. Entsprechend bunt waren die Ergebnisse: Ob die Drei- bis Sechsjährigen beispielsweise erste Einblicke in die Naturwissenschaften vermittelt bekamen, das war vor allem vom persönlichen Interesse der Erzieherinnen und Kitaleitungen abhängig. In der Praxis hieß das meist: Fehlanzeige. 

Damit blieben seinerzeit große Möglichkeiten ungenutzt, wie Andreas Schleicher, OECD-Direktor und internationaler Koordinator der PISA-Studien, erklärt. „Frühkindliche Bildung hat großes Potenzial, die Startchancen von Kindern mit benachteiligtem Hintergrund zu verbessern. Solche Angebote erlauben Kindern, spielerisch ihre Fähigkeiten durch die Interaktionen mit Erzieherinnen und Erziehern, anderen Kindern und ihrer Umgebung zu entwickeln“, so sagt er. Allerdings: „Wie die OECD-Berichte der Reihe ‚Starting Strong‘ zeigen, ist die Qualität entscheidend für den Beitrag von frühkindlicher Bildung zur kognitiven und sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern sowie ihrem späteren Bildungserfolg – Kitas mit niedriger Qualität können sogar negative Auswirkungen haben. Daher ist es unabdingbar, auch in Zeiten von Fachkräftemangel und steigender Nachfrage, hohe Qualitätsstandards einzuhalten, insbesondere im Interesse der Kinder, die zu Hause weniger Unterstützung erhalten.“ 

Obwohl sich aus der PISA-Studie, die 15-jährige Schülerinnen und Schüler testet, keine unmittelbaren Schlüsse auf den frühkindlichen Bereich ableiten lässt, rückten nach dem PISA-Schock schnell auch die Kitas in den Fokus der Bildungspolitik – der Vergleich mit PISA-Sieger-Staaten zeigte, dass hierbei in Deutschland Nachholbedarf bestand. Ab 2004 legten die ersten Bundesländer Bildungspläne für die Kindertagesstätten vor, in denen der Bildungs- und Erziehungsauftrag konkretisiert wurde –  um bisher vernachlässigte Bereiche wie die mathematisch-naturwissenschaftliche und technische Bildung zu stärken und damit insgesamt eine höhere Bildungsqualität zu erreichen. In Rheinland-Pfalz etwa gehören seitdem die Themenfelder „Mathematik/Naturwissenschaft/Technik“ sowie „Naturerfahrung /Ökologie“ in den „Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten“ zum curricularen Kern. 

Erzieherarbeit stärken
Seit ihrer Gründung 2003 engagierte sich die Deutsche Telekom Stiftung für die MINT-Bildung, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, auch schon für die Kleinen. Auf einer gemeinsamen Fachtagung der Kultusministerkonferenz und der Familienministerkonferenz im September 2010 erklärte der damalige Stiftungsvorsitzende, Bundesaußenminister a. D. Dr. Klaus Kinkel: „Das Elternhaus spielt beim Bildungserwerb eine entscheidende Rolle. Aber wo findet Bildung –  außer dem Elternhaus – denn erstmalig institutionell statt? Im Gegensatz zur früheren Meinung nicht erst in der Schule, sondern bereits in der Kindertagesstätte“, so erklärte er. „Wenn wir uns also als Deutsche Telekom Stiftung für eine bundesweite Verbesserung der frühkindlichen Bildung, insbesondere im MINT-Bereich engagieren – dann muss man im Kindertagesstättenbereich beginnen.“ 

Ansatzpunkt der Arbeit war zunächst, dass es früher kaum praktische Hilfen von hoher Qualität für Erzieherinnen und Erzieher gab, um naturwissenschaftliche und technische Themen in den Kita-Alltag zu integrieren. Das hat sich nicht zuletzt dank des Engagements der Stiftung grundlegend geändert. In deren Auftrag beschäftigte sich beispielsweise ein Forscherteam der Universität Bremen unter der Leitung des international renommierten Frühpädagogen Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis mit der Frage, wie sich Kinder in ihrem natürlichen Forscherdrang unterstützen lassen. Im Rahmen des Projekts Natur-Wissen schaffen entstanden grundlegende didaktische Konzepte und umfangreiche Materialien. An der Universität Münster wurde eine Stiftungsprofessur Naturwissenschaftliche Früherziehung eingerichtet, die die Universität seit 2014 in Eigenregie fortführt. 

Ob es sich um MINT-Vorlesepaten handelt oder um den Kita-Wettbewerb Forschergeist, um spannende Experimente oder Fachkräfte-Fortbildungen im „Haus der kleinen Forscher“ – seit 2012 beteiligt sich die Deutsche Telekom Stiftung hierbei als strategischer Partner – oder um das Projekt LuPE, das in der Erzieherausbildung ansetzt (siehe Interview mit Prof. Thomas Rauschenbach): In zahlreichen Projekten sorgt die Deutsche Telekom Stiftung für eine altersgerechte, spielerische und anregende Frühförderung. Durch diese Initiativen wurden bis heute Hunderttausende von Kindern systematisch an MINT-Themen herangeführt.

„Die kleinen Forscher von heute können bald schon große Nobelpreisträger von morgen sein“, so sagt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, als Schirmherrin für das „Haus der kleinen Forscher“ im Einsatz. Sie betont: „Kitas sind Bildungsorte. Mit frühkindlicher Bildung können wir so viel erreichen wie an keiner anderen Stelle in der Bildungskette.“


WUSSTEN SIE SCHON?

  • Mehr als 2,7 Millionen Kinder unter sechs Jahren werden derzeit in Deutschland (Stand: 1. März 2018) in Kindertageseinrichtungen betreut. 
  • Rund 725.000 pädagogische Fachkräfte, darunter Erzieherinnen und Erzieher sowie Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger, sind in den Kindertageseinrichtungen bundesweit beschäftigt. 
  • 93,2 Prozent aller Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren besuchen eine Kindertageseinrichtung – im Bundesländervergleich reichen die Quoten von 87,5 Prozent (Bremen) bis 96,4 Prozent (Rheinland-Pfalz)
  • Während 98 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder aus deutschstämmigen Familien eine Kita oder eine Kindertagespflege besuchen, sind es nur 84 Prozent der gleichaltrigen Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund.

Im Jahr 2004 beschlossen die Jugendministerkonferenz sowie die Kultusministerkonferenz einen gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen. Darin heißt es: „Die kindliche Neugier und der natürliche Entdeckungsdrang der Kinder sollten dazu genutzt werden, den entwicklungsgemäßen Umgang mit Zahlen, Mengen und geometrischen Formen, mathematische Vorläuferkenntnisse und -fähigkeiten zu erwerben. Eng damit zusammen hängt auch die Vermittlung von Kenntnissen über die Verwendungs- und Funktionsweisen von technischen und informationstechnischen Geräten, die den Alltag der Kinder prägen, und von Fertigkeiten des praktischen Umgangs damit.“

 

IMPRESSIONEN: 15 JAHRE DEUTSCHE TELEKOM STIFTUNG

Fotos: Forschergeist-Wettbewerb, Deutsche Telekom Stiftung (Bildergalerie)