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Junge mit Headset lernt am Computer

Digitales im Jugendclub?

Die offene Kinder- und Jugendarbeit hat großes Potenzial, digitale Kompetenzen zu vermitteln. Wie weit ist das Thema schon in den Einrichtungen angekommen?

Vom Jugendhaus mit eigenen Werkstätten und diversen Spiel- und Sportangeboten bis hin zum kleinen Jugendtreff: Gut 11.000 sehr unterschiedliche Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt es in Deutschland. Außer in Ausstattung und Größe variieren sie auch sehr in ihren Themenschwerpunkten und Aktivitäten. Allen gemein sind aber klare Grundprinzipien: Offenheit für alle, Freiwilligkeit der Angebote und eine starke Orientierung an der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen selbst. Und diese Alltagswelt ist – genau wie die von Erwachsenen – immer stärker durchdrungen von digitalen Technologien. Nahezu jeder Jugendliche nutzt heute ganz selbstverständlich ein Smartphone. Inwiefern stellt sich nun aber die offene Kinder- und Jugendarbeit auf die Herausforderungen ein, die den Kindern und Jugendlichen durch diese Entwicklungen entstehen?

Medien nur selten eigener Schwerpunkt
Die Rolle digitaler Medien in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu erheben, ist kein einfaches Unterfangen, wie Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Telekom-Stiftung 2017 nahelegen: Dort erklärten nur vier Prozent der befragten Einrichtungen, Medien als zentrales Thema in ihrem Konzept zu haben. Aber: Bei 82 Prozent der Häuser sind digitale Medien und auch Medienkompetenz Bestandteile der konkreten Angebote in den diversen Arbeitsschwerpunkten – von Integration über Spiel und Sport bis zu Gewaltprävention. So werden digitale Medien auf unterschiedlichste Weise in den Angeboten genutzt, allerdings zumeist offenbar ohne umfassende Verankerung im pädagogischen Gesamtkonzept.

Verhaltener Trend – getrieben von anderen
Von einem Trend zu außerschulischen Bildungsangeboten, die an die von neuen Medien und Technologien geprägte Lebenswelt anschließen, lässt sich sicherlich sprechen. Eine Befragung von freien Trägern der offenen Kinder- und Jugendarbeit durch Professor Ulrich Deinet, Universität Düsseldorf, in den Jahren 2012 bis 2014 ergab, dass 44 Prozent „Medienbildung und Mediennutzung“ als wichtige Entwicklungsperspektive der Einrichtungen sehen. Allerdings gehen viele digitale Angebote in der außerschulischen Bildungsarbeit bislang vor allem von privaten Bildungsanbietern, Verbänden oder Vereinen aus. Erfolgreiche Beispiele hier sind etwa „Jugend hackt“, diverse Onlineplattformen für Beteiligungsprojekte und Makethons oder Hackathons.

Themen, die Kinder wirklich interessieren
Dabei sind gerade mediale und digitale Bildungsangebote für die offene Kinder- und Jugendarbeit attraktiv: „Das Interesse für die digitale Welt und viele Fragen zu neuen Medien sind bei Kindern und Jugendlichen schon da“, betont auch Dr. Niels Brüggen vom Münchner Institut für Medienpädagogik (JFF). „Die offene Kinder- und Jugendarbeit bietet den Raum, diese aufzugreifen, und die Themen, die Kinder wirklich interessieren, zu vertiefen“. Häufig erschließen sich Pädagogen dabei gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Vielfalt der digitalen Welt und können persönliche Interessen – von Mode-Blogs bis Rollenspiele – und aktuelle Themen wie Cybermobbing und Fake News aufgreifen. Über niedrigschwellige Angebote werden Kinder und Jugendliche dann auch an komplexere Themen der digitalen Welt herangeführt.

Qualifizierungsbedarf bei den Pädagogen
Angebote neuer Art passgenau umzusetzen, ist oftmals eine Herausforderung für Pädagogen. Um die pädagogische Qualität digitaler Angebote zu sichern, fordern Fachleute und Praktiker, Medienpädagogik und digitale Bildung stärker in die Ausbildungscurricula einzubinden. Niels Brüggen bekräftigt diese Forderung: „Fachkräfte müssen eine Perspektive entwickeln, wie Jugendliche gestärkt und dabei unterstützt werden können, Digitalisierung mitzugestalten.“ Man müsse ein Verständnis entwickeln, wie Digitalisierung die Gesellschaft insgesamt und das Leben junger Menschen verändert. Viele Pädagogen begrüßen die Forderung nach mehr Qualifikation. Denn der Wille, das Thema anzugehen, ist bei vielen groß – und das Potenzial der offenen Kinder- und Jugendarbeit, zu mehr (digitaler) Chancengerechtigkeit in Deutschland beizutragen, noch längst nicht ausgeschöpft.

Foto: „Ich kann was!“-Initiative