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Innenansicht der Reichtagskuppel

Bildung nach der Bundestagwahl

Die Bundestagswahl 2017 liegt hinter uns. Nun werden von der nächsten Regierung neue politische Weichenstellungen erwartet, kleine wie große. Das gilt auch für die Bildungspolitik.

Wenngleich im Kern Ländersache, ist Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in jedem Fall auch Thema für die Bundesebene. Dringliche Handlungsfelder sind dabei aus Sicht der Deutsche Telekom Stiftung nach wie vor die MINT-Bildung und die Digitalisierung des Lehrens und Lernens. Beiden Bereichen kommt auch eine entscheidende Rolle für mehr Bildungsgerechtigkeit zu – ein Thema, das alle großen Parteien in ihren Wahlprogrammen als prioritäre Herausforderung benannt hatten und das auch für die Telekom-Stiftung ganz oben auf der Agenda steht. 

Warum braucht Deutschland auch in Zukunft mehr Anstrengungen für eine gute MINT-Bildung?

In einer zunehmend von Wissenschaft und Technik geprägten Welt, sind gute Kenntnisse in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unabdingbar geworden. Sie versetzen Menschen in die Lage, an der sich immer weiter digitalisierenden Welt teilzuhaben und damit Chancen auf ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben zu erhalten. Leider haben wir in Deutschland immer noch einen Mangel an beruflich qualifizierten MINT-Fachkräften und nach wie vor entscheiden sich zu wenig Jugendliche für einen MINT-Beruf. Die letzte, im Dezember 2016 erschienene PISA-Studie hat erneut gezeigt, dass die Beliebtheitswerte der naturwissenschaftlichen Fächer im Vergleich zu anderen Ländern unterdurchschnittlich sind und Jugendliche außerhalb des Unterrichts kaum Interesse an naturwissenschaftlichen Aktivitäten haben. Hier können die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen mehr tun, zum Beispiel indem sie die frühkindliche MINT-Bildung, darunter auch die Medienkompetenz noch besser fördern. Wie das gelingen kann, zeigt die Telekom-Stiftung in ihrer Kooperation mit der Stiftung Haus der kleinen Forscher. In den Schulen gilt es, den praktischen Nutzen mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Fächer herauszuarbeiten, um junge Menschen für MINT zu begeistern. Dies belegt die Junior-Ingenieur-Akademie der Telekom-Stiftung, bei der Schülerinnen und Schüler in Hochschulen und Betrieben mit Wissenschaftlern und Ingenieuren zusammenarbeiten und so Einblicke in deren Berufsalltag erhalten.

Wie viel Digitalisierung braucht die Bildung?

Die Deutsche Telekom Stiftung begrüßt den geplanten Digitalpakt Schule von Bund und Ländern, der unter anderem eine bessere IT-Ausstattung der Schulen zum Ziel hat. Von der noch amtierenden Regierung vorgeschlagen, sollte der Pakt von einer neuen Regierung unbedingt und mit Vorrang in die Tat umgesetzt werden. Auch wenn moderne Technik die Grundlage dafür ist, dass Schulen die Potenziale digitaler Medien nutzen können, gehören zum Gesamtpaket für guten Unterricht vor allem sinnvolle pädagogisch-didaktische Konzepte für den Medieneinsatz. Über erfolgreiche Ansätze für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien diskutiert die Telekom-Stiftung in der „Werkstatt schulentwicklung.digital“ des Forums Bildung Digitalisierung. Hier tauschen sich 38 Schulen zum Beispiel darüber aus, wie sich digitales Lehren und Lernen im gesamten Schulkonzept verankern und in allen Fächern umsetzen lässt.

Wie muss sich die Lehrerbildung verändern?

Bei den Lehrkräften liegt vieles im Argen, angefangen von der Ausbildung, in der digitale Medien immer noch kaum eine Rolle spielen bis hin zur Fortbildung, für die die Verantwortlichen den Lehrkräften häufig zu wenig Raum bieten. Hier sind Reformen dringender denn je. So sind aus Sicht der Telekom-Stiftung Professionelle Lerngemeinschaften an Schulen nicht nur der Fort- und Weiterbildung insgesamt zuträglich, sondern auch ein probates Mittel, wenn es darum geht, dass sich Lehrkräfte digitale Kompetenzen für die konkrete Unterrichtspraxis aneignen. Das von der Telekom-Stiftung ins Leben gerufene Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) hat unter anderem Angebote für das Lernen im Kollegium im Portfolio.

Aktuell wird vor allem der akute Lehrermangel an deutschen Schulen diskutiert. Ein Szenario, vor dem Experten seit längerem gewarnt hatten: So hat die Telekom-Stiftung schon 2015 eine Untersuchung zum MINT-Lehrerbedarf in Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben. Der Autor dieser Studie, Professor Klaus Klemm, prognostizierte damals bereits gravierenden Lehrermangel in dem Bundesland und auch bundesweit. Er empfahl nicht nur, die Zahl der Lehramts-Studienanfänger insgesamt zu steigern, sondern auch die fachgerechte und fachdidaktische Fortbildung von Quer- und Seiteneinsteigern zu fördern.

Welche Bedeutung haben außerschulische Akteure für gute Bildung?

Ein kompetenter, kritischer und souveräner Umgang mit digitalen Medien sollte nicht nur in den Bildungsinstitutionen Kita, Schule und Hochschule ein Thema sein. Auch andere Bildungsakteure müssen sich die Vermittlung digitaler Kompetenzen auf die Fahnen schreiben. Großes Potenzial liegt hier bei den Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Sie erreichen häufig Kinder und Jugendliche, die mit den schulischen Angeboten und Lerninhalten nicht zurechtkommen, aber großes Interesse an Medien haben. Wenn junge Menschen in diesen Einrichtungen gezielt auf den Umgang mit Medien vorbereitet werden, kann dies ihre Chancen auf Teilhabe und beruflichen Erfolg in der digitalen Welt spürbar steigern. Ziel muss es sein, dass jedes Kind und jeder Jugendliche bei Bedarf vor Ort ein passendes Angebot findet. Hier ist es an einer neuen Regierung, die offene Kinder- und Jugendarbeit bei dieser wichtigen Aufgabe optimal zu unterstützen und die Investitionen in diesem Feld zu erhöhen. Mit der „Ich kann was!“-Initiative und der GestaltBar fördert die Telekom-Stiftung bereits gezielt Einrichtungen, die sich in diesem Umfeld engagieren.

Foto: Alfredo Cerra / Shutterstock