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JIA-Absolventen stehen unter Las-Vegas-Reklameschild

„Alle fanden den Dezibot cool“

Selbstgebauten Roboter auf US-Fachkonferenz präsentiert: Anina (17), ehemalige Teilnehmerin der Junior-Ingenieur-Akademie, erzählt im Interview von ihren Erlebnissen.

Anina, mit drei weiteren Absolventen der Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) durftest du Ende Juli zu einer der weltweit größten internationalen Informatiker-Konferenzen reisen, um dort euer gemeinsames Forschungsprojekt, den „Dezibot“, vorzustellen. Und dann wäre im letzten Moment beinahe doch noch alles geplatzt. Was war passiert?
Wir wollten über Toronto nach Las Vegas fliegen, hatten aber in Frankfurt Probleme mit dem Visum, weshalb der Flieger dann ohne uns abgehoben ist. Glücklicherweise konnten wir am nächsten Morgen nachträglich umbuchen, was sich für eine Gruppe unserer Größe als ziemlich kompliziert erwiesen hat. Am Ende sind wir dann getrennt voneinander nach mehrmaligen Umsteigen doch noch irgendwie in Las Vegas angekommen.


Pünktlich zum Start des CSCE’18*. Euer erster Eindruck von der Stadt?
Gigantisch. Allein unser Hotel, in dem auch der Kongress stattfand, war wahnsinnig beeindruckend. In Las Vegas ist einfach alles riesig und extrem übertrieben.


Das Paper zu eurem Forschungsprojekt, das ihr bei der Konferenz eingereicht hattet, wurde ja „blind“ begutachtet. Das heißt, die Prüfer wussten gar nicht, dass ihr Schüler und keine gestandenen Wissenschaftler seid?
Stimmt, das kam erst raus, als wir bei der Anmeldung unsere Schulbescheinigungen gezeigt haben, um den Studenten-Rabatt auf die Teilnahmegebühr zu bekommen. Es hat dann aber niemand etwas Negatives gesagt. Im Gegenteil: Es fanden alle total cool, dass wir noch zur Schule gehen und trotzdem schon publizieren. In der Eröffnungsrede sind wir später sogar besonders begrüßt worden.


Wie ist euer Schulroboter denn bei der Konferenz angekommen?
Das Interesse der Teilnehmer hat uns echt überrascht. Wir hatten jeden Tag die Möglichkeit, unseren Roboter zu präsentieren. Es waren immer richtig viele Leute bei uns am Stand, Informatik-Lehrer und -Professoren aus den unterschiedlichsten Ländern. Ein paar Mal sind wir sogar abseits der Konferenz irgendwo in der Hotellobby angesprochen worden: „Hey, ihr seid doch die mit dem Roboter.“ Alle fanden den Dezibot cool und haben uns ermutigt, mit dem Projekt weiterzumachen. Einige waren sogar enttäuscht, dass sie den Roboter nicht gleich kaufen konnten. Die hätten den Dezibot gerne in ihrem eigenen Unterricht verwendet.


Habt ihr auch etwas gelernt?
Der Austausch mit den anderen Teilnehmern war sehr wertvoll für uns. Wir haben eine Menge neuer Anregungen bekommen und sehen jetzt auch selbst klarer, wo wir mit unserem Projekt noch hinwollen.


Wie geht es denn weiter mit dem Dezibot?
Wir wollen den Roboter auf jeden Fall noch weiterentwickeln, ein paar Sachen an der Hardware ändern und am Design. Außerdem wollen wir noch eine Unterrichtsstunde für ihn vorbereiten, damit die Lehrer später auch wissen, wie sie ihn richtig nutzen. Unser Ziel ist nämlich weiterhin, den Dezibot irgendwann an die Schulen zu bringen, damit Schüler im Informatikunterricht mit ihm arbeiten können.


Klingt, als bräuchtet ihr einen Business-Plan.
Ob wir ihn letztlich verkaufen werden, steht noch nicht fest. Es kann genauso gut sein, dass wir den Bauplan und die Software am Ende öffentlich ins Netz stellen, und jeder kann frei darauf zugreifen und damit arbeiten. Vielleicht machen wir es aber auch ganz anders.


Ihr Vier macht nächstes Jahr Abitur. Wisst ihr schon, was danach kommt?
Drei von uns sind sich ziemlich sicher, dass sie später Informatik studieren wollen. Ich selbst würde auch gerne mit der Robotik weitermachen, weil ich das Thema spannend finde. Auch als Team wollen wir versuchen, irgendwie zusammenzubleiben. Wir kennen uns jetzt schon so lange, seit dem ersten Jahr in der Junior-Ingenieur-Akademie, und wissen einfach, dass wir gut miteinander arbeiten können.


Welchen Einfluss hatte die JIA auf euch und euren Werdegang?
Sie war auf jeden Fall sehr hilfreich. Da wir von drei verschiedenen Schulen in Leipzig kommen, hätten wir uns ohne die JIA wahrscheinlich gar nicht kennengelernt, ebenso wenig Professor Wagner. Der Dezibot wäre wohl nie entwickelt worden. Ich denke, die JIA hat uns alle ein Stück weit in die Richtung geführt, in die wir heute gehen. Wahrscheinlich war das Interesse an der Informatik vorher schon irgendwie in uns drin, die JIA hat uns dann aber die Möglichkeit gegeben, dieses Interesse auszutesten. Sie war für uns ein großartiges Erlebnis.
 

Foto: privat

* The 2018 World Congress in Computer Science, Computer Engineering, & Applied Computing