Suche: Presse

News
22.02.2017
Alles neu hier

Grundschüler lernen zu programmieren, Schulbücher spielen Musik und Filme ab und für spannende Exkursionen braucht niemand mehr das Klassenzimmer verlassen – die digitale Welt macht es möglich. Wie sehr sich das Lehren und Lernen verändert, zeigte im Februar die didacta in Stuttgart. Wir waren auf der weltgrößten Bildungsmesse dabei und haben fünf Trends rund ums Klassenzimmer aufgespürt.

1. Virtual Reality im Unterricht
Auf den Meeresboden hinabtauchen, den Mond umrunden oder sich in der Mundhöhle des Menschen umsehen – und dabei in Wirklichkeit mit beiden Beinen im Klassenraum stehen. Das geht mit virtueller Realität, in der Schüler computergenerierte, interaktive Umgebungen über eine Brille erleben. Auf der Technologie ruhen viele Hoffnungen, wie sich auf der didacta zeigte. Sie eröffnet neue Möglichkeiten für den Unterricht, vor allem für naturwissenschaftlichen. Denn virtuell lassen sich weit entfernte oder komplett unzugängliche Orte besichtigen – eine ganz neue Form der Exkursion. Schüler können Experimente verfolgen, die ein Lehrer im Klassenzimmer niemals machen könnte.

Virtuelle Lernerfahrungen sollen sich besonders tief im Gedächtnis der Schüler verankern, weil sie wie echte Erlebnisse wirken, sagen Dienstleister, die solche Projekte anbieten. Erste Schulen in Deutschland probieren die Zukunft bereits aus und setzen Virtual Reality im Unterricht ein.

2. Programmieren für Grundschüler
Junge Menschen sollen sich möglichst früh in der digitalen Welt zurechtfinden, sie verstehen. Diese Idee steckt hinter dem Konzept, schon an Grundschüler ans Programmieren heranzuführen. Dafür sind inzwischen mehrere Programme und Minicomputer auf dem Markt. Zum Beispiel der Calliope Mini, der sich auch auf der didacta präsentierte. Die Deutsche Telekom Stiftung unterstützt das Projekt mit Lehrermaterialien. Der Computer zeigt zum Beispiel Zahlen auf einem LED-Feld an, spielt Töne oder Musik ab und schaltet sogar eine angeschlossene Glühlampe ein und wieder aus. Das Projekt kommt wie gerufen: Deutschland hat in Sachen Computerkompetenzen echten Nachholbedarf. In der internationalen Medienkompetenz-Studie ICILS 2013 schlossen deutsche Schüler nur mittelmäßig ab. Seitdem kommt die informationstechnische Bildung allerdings in Fahrt.

Neben dem Calliope Mini gibt es weitere für den Unterricht geeignete Computer. Sie betreiben unter anderem eine einfache Ampelschaltung oder setzen auf Wunsch ein kleines Roboterfahrzeug in Bewegung. Und auch Software lässt sich schon von Grundschülern programmieren. Es gibt erste Programme, mit denen die Kleinen eigene Spiele entwickeln können.

3. Smarte Schulbücher
Schulranzen dürften in den kommenden Jahren deutlich leichter werden. Denn die Bücher darin weichen immer stärker multimedialen Lernprogrammen. Noch haben sich Schulbuchverlage allerdings nicht vom klassischen Buch-Layout verabschiedet, wie auf der didacta zu sehen war. Ihre „smarten“ Schulbücher sind im Grunde E-Books mit Zusatzfunktionen. Auf dem Computer-Bildschirm zeigen sie neben dem reinen Inhalt der Buchseiten auch weiterführende Links und verschiedene Funktionen. Schüler können beispielsweise im Fremdsprachunterricht Audio-Dateien mit Hörbeispielen aufrufen oder in Mathematik direkt Übungsaufgaben absolvieren – die richtigen Lösungen sehen sie direkt im Anschluss.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die E-Books weiter gewandelt haben und zu reinen Lern-Portalen geworden sind. Experten des Zentrums für Ökonomische Bildung der Universität Siegen rechnen damit, dass das Tablet zum Leitmedium der Zukunft wird. Damit könnten Schüler viel interaktiver lernen als heute – und beispielsweise über ein Chatprogramm Gruppenarbeiten koordinieren. Lehrkräfte könnten sich jederzeit als eine Art Coach dazuschalten.

4. Clouds für die Schule
Viele Schulen in Deutschland haben ein Problem: Sie sollen ihre Schüler fit machen am Computer. Die Hard- und Software ist jedoch veraltet und teuer in der Pflege, um die sich meist engagierte Lehrer neben ihrer Arbeit kümmern. Clouds für Schulen sollen vieles einfacher machen, sagen Anbieter und Entwickler auf der didacta. Die Idee: Unterrichtsinhalte samt Software liegen nicht mehr verteilt auf mehreren Rechnern in der Schule, sondern zentral und webbasiert in einer geschützten Cloud. Lehrer und Schüler können von überall darauf zugreifen – auch mit eigenen Computern. So lassen sich Medien spielend leicht teilen, Schultage und Unterrichtsstunden organisieren. Und Schulen können ihre IT-Landschaft deutlich verschlanken.

Das größte Projekt auf diesem Feld ist derzeit die „Schul-Cloud“. Bildungsministerin Johanna Wanka hat das Projekt vergangenes Jahr auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung vorgestellt. Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam entwickelt das System und erprobt es derzeit mit einigen Pilotschulen, die auf MINT-Fächer spezialisiert sind. 

5. Lernlandschaften statt Klassenzimmer
Schulgebäude werden sich verändern. Der Begriff der Lernlandschaften revolutioniert gerade die Schularchitektur. Die Nüchternheit von Klassenräumen mit Tischen und Stühlen weicht einer gewissen Wohnzimmeratmosphäre. Sofas, Sitzecken und Stehtische, dazwischen Bücherregale, Laptop oder Tablet immer griffbereit. Bisherige Raumkonzepte von Schulen seien fürs Lernen und Lehren nicht förderlich, meinte zum Beispiel Professor Joachim Kahlert, Pädagoge der Universität München, auf der didacta. Nur, wenn die Lernumgebung stimme, könnten Schüler den Lernstoff nachhaltig verarbeiten.

In einer Lernlandschaft können Schüler sich ihren Lieblingsplatz aussuchen und flexibel mit anderen Schülern zusammenkommen. Als große Gruppe trifft sich die Klasse nur selten – zum Beispiel dann, wenn die Lehrenden in ein neues Thema einführen. Zum Weiterarbeiten finden sich die Schüler dann wieder in Kleingruppen zusammen. Mediziner loben sogar den Gesundheitsaspekt: Haltungsschäden sind weniger wahrscheinlich, wenn Schüler sich beim Lernen frei bewegen, statt stundenlang nur auf Stühlen zu sitzen.

(Bild: Mark Angor/Shutterstock)

 

 

 

ZURÜCK

Empfehlen Sie uns