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21.12.2016
Fundgrube für Grundschullehrer

Die schulische Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien lässt vielerorts noch erheblich zu wünschen übrig. Das zeigt der aktuelle Länderindikator. Das Online-Portal „internet-abc.de“ könnte dabei helfen, diese Lücke weiter zu schließen: Es setzt auf eine facettenreiche Kombination von Angeboten für Fünf- bis Zwölfjährige und dazu passenden, praxisnahen Hilfestellungen für Eltern und Lehrkräfte.

Die meisten Kinder haben bereits erste Erfahrungen mit dem Internet gemacht, wenn sie in die Schule kommen. Längst geht es nicht mehr darum, ob die Kinder digitale Medien verwenden, sondern wie. Lehrer und Lehrerinnen insbe­sondere an Grundschulen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Noch sind die meisten nicht im Studium darauf vorbereitet worden und müssen sich über Fortbildungen und andere Wege fit machen. Ein Angebot, das sie dabei unterstützt, ist das Projekt „internet-abc“, das die Landesmedienan­stalten seit 2003 anbieten, um „Kinder und Erwachsene beim Erwerb und der Vermittlung von Internetkompetenz zu unterstützen“. Redaktionell gepflegt wird das Portal vom renommierten Grimme-Institut in Marl.

Der erste Blick auf die Internetseite zeigt, welche Zielgruppe hier im Vordergrund steht: die Kinder. Sie sollen durch Aufmachung, Sprache und Themen Lust bekommen, in dieser Seite zu stöbern. Lehrer und Eltern haben ihre jeweils eigenen Bereiche, alle Angebote sind aber miteinander verknüpft. Ein Beispiel: Auf der Kinderseite wird das Thema „Lügner und Betrüger im Internet“ angesprochen. Wer weiterklickt, kann nun mit Flizzy, dem Eichhörnchen, auf Ganovenjagd gehen und über eine Mischung aus altersgerechten Spielen, Übungen und Informationen dazulernen und sein Wissen auch überprüfen. Da erfahren die Kinder etwa, betrügerische Erwachsene zu identifizieren, die sich online als Kinder ausgeben, wie Abzocker zu erkennen sind, die einem Geld aus der Tasche locken wollen oder auch, wie Kettenbriefe Angst und Schrecken verbreiten sollen. Geht man nun unter demselben Thema auf die Lehrkräfteseite, werden die einschlägigen Lernziele gelistet, Unterrichtsmaterialien angeboten und detaillierte Hinweise und Hilfestellung gegeben, wie man das Angebot der Kinderseite im Unterricht und für Hausaufgaben einsetzen kann.

Gedruckte Lehrerhandbücher noch immer der Renner

Insgesamt gibt es Lernmodule zu vier Schwerpunkten. Außerdem können alle online-Informationen auch auf einer CD-ROM und in gedruckter Form angefordert werden. „Die gedruckten Lehrerhandbücher sind nach wie vor ein Renner, wahrscheinlich, weil das für viele immer noch ein gewohntes Medium ist“, sagt Anja Magno, Projektleiterin beim internet-abc. Und auch die gedruckten Flyer und Broschüren zu den Modulen werden gerne im Unterricht oder auf Elternabenden verwendet. 

Das internet-abc bietet noch viel mehr: So gibt es zum Beispiel Ideen für die Gestaltung von Unterrichts­einheiten in einzelnen Schulfächern wie Deutsch, Sachunterricht oder Kunst und medienpädagogische Methodenbausteine für die Nutzung des internet-abc für bestimmte Themen.

Eine besonders erfolgreiche Idee ist der Surfschein, eine Art „Führer­schein fürs Internet“:  Mit einem Test kann am Ende einer Unterrichtsreihe das erarbeitete Wissen aus den Modulen abgefragt werden, auch spezielle Themengebiete können damit vor- und nachbereitet werden. Auch hier gibt es wieder vielfältige Unterstützung für die pädagogische Arbeit inklusive entsprechender Materialien. „Die Abrufzahlen zeigen, dass der Surf­schein außerordentlich beliebt ist“, freut sich Anja Magno. Den Schülerinnen und Schülern macht diese Form des Tests offenbar großen Spaß, und sie sind stolz, wenn sie am Ende ihren ansprechend gestalteten Surfschein überreicht bekommen. Und auch die Lehrkräfte schätzen das Instru­ment. „Viele Schulen verlangen diesen Surfschein sogar als Voraussetzung, um den PC-Raum nutzen zu dürfen“, berichtet Anja Magno. Die Lernmodule sind aber kein geschlossenes System, sondern können immer wieder bear­bei­tet werden. „Wir wollen vor allem den Spaß am Lernen fördern und dazu die Kinder auf diese Seite locken. Das Angebot soll nicht Tests und Notengebung ersetzen“, so Anja Magno.

Es muss nicht immer Google sein

Der „Hausaufgabenhelfer“ ist ein anderes Beispiel dafür, wie geschickt internet-abc es schafft, Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des weltweiten Netzes beim Lernen zu unterstützen und sie zugleich zu einem sicheren und kompetenten Einsatz digitaler Medien zu führen. „Es gibt drei großartige Kindersuchmaschinen, die auf viele gut gemachte Kinderseiten verweisen und die sich für diese Altersgruppe deutlich besser eignen als Google“, weiß Anja Magno. Bei internet-abc erhalten Lehrpersonen Tipps für geeignete Such­ma­schinen und wie Kinder diese nutzen können. Der „Hausauf­gabenhelfer“ wird ständig aktualisiert und auf geeignete Angebote überprüft. Auch hierzu gibt es einen gedruckten Rechercheratgeber, der stark nachgefragt ist, nicht zuletzt, um Eltern in die Lernarbeit ihrer Kinder einzubeziehen.

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Zurzeit wird das internet-abc gerade aktualisiert. Die zwölf Lernmodule sollen noch interaktiver werden, eine modernere Optik erhalten und neue Themen wie mobiles Internet aufgreifen. All dies wird getan, um Schritt zu halten mit der rasanten technischen Weiterentwicklung und um alle didakti­schen Möglich­keiten auszuschöpfen, die das Netz und die digitalen Medien für das Lernen bieten.

Übrigens: Auch wenn man weder Kind noch Lehrkraft oder Elternteil ist – das internet-abc ist ein außerordentlich lehrreiches und zugleich vergnügliches Instrument für alle, die ihren Umgang mit dem Internet und den digitalen Medien verbessern wollen.

O-Ton: Andrea Lauprecht, Grundschullehrerin in Jülich
„Ich nutze digitale Medien bereits im Unterricht, habe ein Laptop und einen Beamer, was schon mal sehr hilfreich ist, aber richtig ausgebildet worden bin ich nicht. Die Geräte werden angeschafft und dann heißt es: Macht mal. Bei dem ganzen Wust an Aspekten ist es schön, dass man als Lehrer beim internet-abc alles an einer Stelle bekommt und sich gemeinsam mit den Kindern an etwas entlanghangeln kann. Besonders gut gefällt mir die Unterstützung zur Gestaltung eines Elternabends und dass man die Eltern auf die spezielle Seite für sie hinweisen kann, denn die sind ja häufig auch recht ahnungslos. Ich sehe aber auch Probleme: Die Kinder in meinen Klassen haben viel Potential, aber viele können nicht mehr Zuhören, mal etwas in Ruhe zu Ende bringen. Ich habe sie zum Beispiel über das Portal „Antolin“ zum Lesen animieren wollen. Ich fürchte aber, dass ich kein Kind zum Lesen gebracht habe, das dies nicht ohnehin schon gerne tut. Diese Kurzatmigkeit führe ich auch auf die andauernd wechselnden Reize durch die digitalen Medien zurück.

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