Alle Jahre wieder ist der Jahreswechsel ein geeigneter Anlass für Rück- und Ausblick. Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung spricht im Kurzinterview über die Highlights 2009 und die Planungen für 2010.
Herr Dr. Winter, gerade hat der zweite Bildungsgipfel unter der Führung von Bundeskanzlerin Merkel stattgefunden - das Thema Bildung ist in aller Munde, wird aber sehr kontrovers diskutiert. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?
Zunächst einmal ist jeder Euro, der zusätzlich in Bildung investiert wird, gut angelegt. Allen Beteiligten ist ja inzwischen klar, dass die Bildung in Deutschland jahrzehntelang unterfinanziert war und daher gerade im internationalen Vergleich erhebliche Defizite aufweist. Problemanalysen und Handlungsempfehlungen gibt es genügend, es hapert aber an der konkreten Umsetzung. Bedauerlicherweise werden die notwendigen Reformen durch den Bildungsföderalismus nicht einfacher. Folgerichtig gibt es auch im Jahr 2010 wieder viel zu tun. Hier kann und will die Stiftung ansetzen und einen konkreten Beitrag leisten, die MINT-Bildung in Deutschland zu verbessern. Dabei verstehen wir uns jedoch nicht als Reparaturbetrieb, der originär staatliche Aufgaben übernimmt. Vielmehr sehen wir uns als Impulsgeber, der Mut macht, zielgerichtete und notwendige Reformen auch anzupacken und die dafür notwendigen Mittel zukunftsweisend zu investieren.
Welche Bildungsprojekte standen 2009 im Fokus der Stiftungsarbeit?
Ein Schwerpunkt war die Lehrerbildung. So haben wir im Juli unseren Exzellenzwettbewerb für die Hochschulen, die MINT-Lehrer ausbilden, entschieden: Knapp fünf Millionen Euro stehen jetzt zur Verfügung, mit denen die Technischen Universitäten in Dortmund und München, die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität Berlin ihre neuen Konzepte und Ideen für die Lehrerbildung umsetzen können. Mit dieser Initiative wollen wir inhaltliche und strukturelle Verbesserungen an den Hochschulen anstoßen und deren Profilierung in der MINT-Lehrerbildung stärken. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Projekte zur Verbesserung der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, die wir auch 2010 fortsetzen.
Wie sieht es mit dem Beginn der Bildungskette aus, also in den Kindertageseinrichtungen?
Hier haben wir in diesem Jahr damit begonnen, die Ergebnisse unseres Projekts „Natur-Wissen schaffen“ bundesweit zu verbreiten, indem wir Multiplikatoren zu den Themen frühe MINT-Bildung, dem Umgang mit Medien und dem Einsatz von Portfolios schulen. Wie dringend diese Fortbildungen benötigt werden, um die Vorgaben der Bildungspläne zu erfüllen, zeigt eine Umfrage, die wir in Auftrag gegeben haben und Anfang des nächsten Jahres veröffentlichen. Die Fachkräfte sind dankbar für die Unterstützung, die wir ihnen bieten, sprechen aber auch die schwierigen Rahmenbedingungen an wie die schlechten Betreuungsschlüssel oder die häufig mangelnde Zusammenarbeit mit den Eltern an. Hier können wir eventuell mit unserem neuen, im Projekt geplanten Elternhandbuch Unterstützung bieten.
Geben Sie uns noch einen kurzen Ausblick auf die Arbeit im kommenden Jahr?
2010 wird geprägt sein durch die Weiterentwicklung bestehender Projekte und den „Rollout“ in die Fläche. Mit Letzterem meine ich insbesondere die Verbreitung unserer Projektergebnisse und -erfahrungen durch Handbücher oder Fachtagungen. Das betrifft zum Beispiel die Projekte „Junior-Ingenieur-Akademie“, „Schule interaktiv“ oder „Mathematik entlang der Bildungskette“ - einem Projekt, bei dem Experten Handlungsempfehlungen für durchgängige Bildungsbiografien im Fach Mathematik erarbeiten. Die Empfehlungen richten sich an die Bildungspolitik und Lerninstitutionen und werden im Frühjahr 2010 veröffentlicht. Auf den geplanten Fachkongressen wollen wir gemeinsam mit Experten und Erzieherinnen, Lehrkräften und anderen Beteiligten praktikable Bildungsideen entwickeln und diskutieren, die möglichst einfach umzusetzen sind und unmittelbaren Mehrwert für die deutsche Bildungslandschaft bieten. Sicher ist jedenfalls, dass sich auch im neuen Jahr die Stiftung mit ganzer Kraft für die Verbesserung des Bildungssystems im MINT-Bereich einsetzen wird.
