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"Armutszeugnis und Schande"

16.11.2012

Foto Dr. Klaus Kinkel
Bonn: Zur heutigen Verschiebung der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" von Bund und Ländern erklärt Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung:

„Die Tatsache, dass sich Bund und Länder heute in Sachen Lehrerbildung nicht auf eine verbindliche Lösung einigen konnten, ist ein großes Armutszeugnis und - man muss es deutlich sagen - eine Schande für den deutschen Bildungsföderalismus. Diese nicht enden wollende föderale Kleinstaaterei in Bildungsfragen nimmt zunehmend lächerliche Formen an. Dass die Politik hier keinen gemeinsamen Weg geht, ist peinlich für Deutschland. An diesem Gezerre zeigt sich, wie wichtig ein Kooperationsgebot in der Bildung wäre, wie es von den Experten empfohlen wird, die im Auftrag von Telekom-Stiftung und Robert Bosch Stiftung eine Studie zu diesem Thema erarbeitet haben.

Die Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung ist eine zentrale Stellschraube, aber auch eine große Schwäche unseres Bildungssystems und verdient daher diese Qualitätsoffensive. Aber welchen Effekt hat ein solches Vorhaben, wenn anschließend Studienleistungen und Abschlüsse nicht bundesweit vergleichbar sind? Im Klartext: Es ist komplett unverständlich, dass die Länder in diesen zentralen Fragen auch nach monatelangen Verhandlungen immer noch nicht zu rechtsverbindlichen Vereinbarungen - möglichst einem Staatsvertrag - bereit sind, sondern erneut verzögern und lediglich "die Verhandlungen fortsetzen". Und das, wo der Bund sogar bereit ist, die Finanzierung von 500 Millionen Euro allein zu stemmen, obwohl eigentlich die Länder zuständig sind.

Angesichts des im internationalen Vergleich deutlich schwächelnden Bildungssystems ist die heutige Entscheidung das völlig falsche Signal und bestätigt alle diejenigen, die den Bildungsföderalismus für den wesentlichen Hemmschuh durchgreifender Reformen halten. Hier zeigt sich doch erneut, wie irrwitzig die Aufrechterhaltung des Kooperationsverbotes ist. Was die Lehrerbildung in Deutschland braucht, ist nicht bildungspolitisches Gesäusel, sondern sind konkrete Taten, mit dem Ziel, Qualitätsverbesserungen in allen drei Phasen der Lehrerbildung – in der Aus-, Fort- und Weiterbildung - zu erreichen. Wie erfolgreich und fruchtbar innovative Konzepte für die Lehrerbildung sein können, belegen die Projekte an den vier Hochschulen, die die Deutsche Telekom Stiftung seit 2009 im Rahmen eines eigenen Vorhabens fördert und begleitet.

Ich appelliere daher an die Verantwortlichen in den Ländern, sich nicht länger zu sperren, sondern die ausgestreckte Hand von Frau Schavan zu ergreifen und diese für Deutschland so wichtige Qualitätsoffensive durch rechtsverbindliche Regelungen zu unterstützen und damit auf den Weg zu bringen."

© Deutsche Telekom Stiftung 2013

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